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Geschichte

  • 150 Jahre Baptistengemeinde Delmenhorst
  • Vorläufer des Baptismus
  • Baptismus in Delmenhorst
  • Neue Aufgaben
  • Gemeinde zeigt Opferwillen
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    150 Jahre Baptistengemeinde Delmenhorst

    Als sich die Gemeinde 1854 konstituierte, war sie bereits zehn Jahre alt. Das heute noch geführte Mitgliederverzeichnis weist als erste Eintragung eine Taufe am 04.02.1844 aus. Friedrich Rabe, Schiffer aus Deichshausen bei Altenesch, und Familie waren die ersten Mitglieder. Täufer und Begründer der Arbeit war Diakon Johann Heinrich Christian Krüger aus Hamburg. Noch im selben Jahr 1844 erreicht die kleine Gruppe eine Mitgliederzahl von 18, alles als Erwachsene neu getaufte Personen. Bis zur Konstituierung der Gemeinde 1854 weist das Verzeichnis bereits 105 Mitglieder aus, von denen nur fünf aus anderen Gemeinden überwiesen waren. Alle anderen waren durch die Taufe zur Gemeinde gekommen. Hier wird die Dynamik und missionarische Kraft des kleinen Werkes deutlich.

    Nicht alle Mitglieder blieben jedoch bei der Gemeinde. Verheiratung nach auswärts und eine verhältnismäßig hohe Abwanderungsrate als Folge industrieller Konzentration ist verringerten die Gruppe immer wieder. Aber auch Ausschlüsse aus der Gemeinde finden sich relativ häufig oft. Friedrich Rabe wird mit seiner Frau nach neunjähriger Mitgliedschaft ausgeschlossen. Von den 18 Mitgliedern des ersten Jahres sind bis 1854 bereits 12 ausgeschlossen. Vielleicht lag der Schwerpunkt gemeindlicher Arbeit zunächst zu sehr auf dem missionarischen Element. Enge und Gesetzlichkeit mögen ein übriges dazu getan haben.

    So sind es noch 74 Mitglieder, die sich am 19.02.1854 zur Gründung der Gemeinde zusammentun, 68 von ihnen waren bis dahin offiziell als Mitglieder der Gemeinde Bremen geführt worden und werden nun von dort in die Selbständigkeit entlassen.

    Sitz der neuen Gemeinde ist Elsfleth. Dort wohnen 24 Mitglieder. Zu Elsfleth gehören die Missionsstationen Brake mit 7, Werderhele mit 7, Motzen mit 4, Dunwarfin/Deichshausen mit 9, Stickgras mit 12 und Moordeich mit 11 Mitgliedern. Delmenhorst kommt erst im Jahre 1864 als Station dazu.

    Die Geschichte der Gemeinde Delmenhorst verzeichnete auch Rückschläge. In den achtziger Jahren endet die Arbeit in Elsfleth, bis 1888 werden noch in Lienen bei Elsfleth Versammlungen abgehalten, dann erlischt die Arbeit auch dort. Am 26.12.1896 konsolidiert sich die Gemeinde neu, und zwar in Delmenhorst, nachdem hier seit 1891 Hermann Ahrens als Kolporteur (Verteiler von Bibeln, Büchern und Zeitschriften sowie von Heften mit ermutigendem, christlichem Inhalt, den Traktakten) tätig war. Jedoch bleibt die Kontinuität darin gewahrt, daß sich die Gemeinde Delmenhorst als offizieller Nachfolger der Gemeinde Elsfleth versteht.

    Vorläufer des Baptismus

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    Kurz vor der Mitte des letzten Jahrhunderts stieg der deutsche Baptismus auf. Es kam niemand von England oder Amerika, um unsere Gemeinden zu gründen.

    Johann Gerhard OnckenSelbst der aus Varel in Oldenburg gebürtige Johann Gerhard Oncken kam nicht als Baptist nach Deutschland. Erst nach intensivem Bibelstudium wurde er von der Taufwahrheit, das heißt, von dem Untertauchen der (erwachsenen) Gläubigen, überzeugt. Nach langer Zeit wurde er dann von einem Baptist aus Amerika getauft.

    In Deutschland entstand die erste "Gemeinde gläubig getaufter Christen" (Baptistengemeinde) zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in Hamburg. Mit der Gründung dieser Gemeinde durch Johann Gerhard Oncken (die Straße vor der Erlöserkirche in Delmenhorst trägt seinen Namen) im Jahre 1834 begann eine Bewegung, die unaufhaltsam um sich griff. Die Baptisten gelten heute als die größte protestantische Freikirche. Dabei ist jede Gemeinde selbständig. Erst viel später setzte das Verständnis für gemeindeübergreifende Arbeiten ein.

    Warum legen diese Menschen, die den verschiedensten Berufs- und Bildungsschichten angehören, trotz ihrer relativ kleinen Zahl so großen Wert darauf, selbständige und unabhängige Gemeinde zu bleiben? Das ist aus der Geschichte des Baptismus in Deutschland und aus der Entwicklung der Freikirchen zu verstehen. Es ist aber auch die Konsequenz der Christusgläubigen, diejenige Gemeindeform zu praktizieren, die dem Bild der ursprünglichen Gemeinde vor 2000 Jahren, wie sie im Neuen Testament beschrieben wird, am nächsten kommt.

    Baptismus in Delmenhorst

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    Die Anfänge der Baptistengemeinde Delmenhorst gehen zurück auf das Jahr 1844, wo sich 18 Personen taufen ließen. 1849 entstehen neben Elsfleth auch in Brake und Moordeich Predigtplätze. Es war die aufgeregte, stürmische Zeit der gerade ausgebrochenen Revolution in Deutschland und das "missionsblatt", Organ der deutschen Baptisten, war meist angefüllt mit Nachrichten von Einkerkerungen, Pfändungen, Misshandlungen usw., die man an den Getauften ausübte. Diese Verfolgungen waren lange an der Tagesordnung, bis der Großherzog von Oldenburg Ende 1852 das "Revidierte Staatsgrundgesetz" erließ, welches völlige Religionsfreiheit einführte, und mit dem er dem übrigen Deutschland mit gutem Beispiel voranging. Bis dahin wurden die baptistischen Gottesdienste oft gestört. In Moordeich wurden die Versammlungen mehrmals vom Ortspolizisten aufgelöst. Die "fremden" das heißt nicht im Oldenburgischen Land wohnenden - Prediger wurden "der Obrigkeit vorgeführt und aus dem Lande gebracht".

    Dann erlebten die Moordeicher aber andere Tage: Als in der Folge des neuen Gesetzes auch im Oldenburger Land die Bürger mehr Freiheit erhielten, profitierten auch die Baptisten davon. So geschah es, dass derselbe Polizist, der zuvor die baptistischen Gottesdienste aufgelöst hatte, diese jetzt unter obrigkeitlichen Schutz stellte.

    Johann Friedrich Oncken (ab 1844)Am 22.04.1850 schreibt Johann Friedrich Oncken, ein Vetter von Johann Gerhard Oncken und ab 1844 erster Gemeindeleiter in Delmenhorst, daß in Elsfleth vierteljährliche Versammlungen stattfinden. Auch mit einer Sonntagsschule mit 11 Kindern wurde der Anfang gemacht.

    In Stickgras fanden seit 1851 lange Zeit die Versammlungen im Hause des Bauers Brinkmann statt, wie überhaupt viele Jahrzehnte lang die Gottesdienste in Wohnungen von Baptisten gehalten wurden. Diese hatten Familiencharakter, wo man sich in einer gemütlichen Runde unterhielt und gegenseitig in seinem Christsein ermunterte und bestärkte.

    Wilhelm HauptDer nächste bedeutende Schritt in der Geschichte der Gemeinde Delmenhorst erfolgte am 19.02.1854, an dem sich das kleine Häuflein der Baptisten zu einer selbständigen Gemeinde und zwar unter dem Namen "Baptistengemeinde Elsfleth" konstituierte. Die Leitung der Gemeinde mit ihren damals 68 Mitgliedern hatte Johann Friedrich Oncken, der gleichzeitig Gemeindeleiter der Gemeinde Bremen war.

    Prediger der Gemeinde Elsfleth / Delmenhorst ab 1854 war Wilhelm Haupt.

    Anfangs erfolgte die Seelsorge durch begabte Gemeindemitglieder ohne spezielle Ausbildung, den Laien, und auswärtige Prediger. Im Jahre 1857 wählte die Nordwestliche Vereinigung der baptistischen Gemeinden Eduard Scheve (Dienstzeit 12.10.1857 - 28.06.1863) zu ihrem Missionar der Elsflether Gemeinde. Seine Antrittspredigt hielt am 15.10.1857 vor 4 Männern und 2 Frauen aus der Gemeinde und einigen Freunden.

    Unter "Gemeinde Elsfleth" muß man sich zur damaligen Zeit ein außerordentlich weit verzweigtes Gebiet vorstellen, wo die vorhandenen ca. 80 Mitglieder sich auf 15 verschiedene Standorte, sogenannte "Missionsstationen" verteilten, so daß es kein eigentliches Versammlungszentrum mit einem Kirchengebäude gab. Da es an Fahrgelegenheiten mangelte, mussten alle Reisen zu Fuß ausgeführt werden. Das bedeutet sehr viele Mühen und Strapazen, die man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen kann. Allein im Jahre 1861 legte der Missionar auf 48 Missionsreisen 359 Stunden Fußmarsch zurück. An 29 verschiedenen Orten leitete er 195 Versammlungen und machte 800 Hausbesuche.

    Geräumige, luftige Versammlungsmöglichkeiten gab es nicht. In Hammelwarden kamen die Zuhörer von den Schiffszimmererwerften, in Brake ging der Missionar eine Zeitlang am Sonntagsmorgen zum Hafenbau, um dort im Arbeiterschuppen zu predigen: "Meine Zuhörer waren dort recht sonderlich gruppiert, eine Anzahl saß um einen großen Korb und schälte Kartoffeln, eine andere Gruppe schmierte Schuhe und Stiefel, wieder andere wuschen sich die Füße oder auch den Kopf, wieder eine andere Gruppe flickte ihre Hosen und Strümpfe: irgendeine Arbeit hatten alle meine Zuhörer, nur darin waren sie sich lobenswert einig, dass sie während meiner Predigt schwiegen und mir ihr Ohr liehen."

    Anders war es in Neuenbrok. Ein reicher Bauer namens Hadler stellte im Jahre 1858 sein ganzes Haus zur Verfügung, die Versammlungen wurden in Zeitungen angekündigt, und so waren im allgemeinen 300 - 400 Zuhörer da, obwohl die Leute sehr zerstreut wohnten. Meistens waren es Knechte und Mägde, deren Hauptgrund ihres Kommens aber darin bestand, die Versammlung zu stören.

    Wenn man sich heute die Gemeindezentren ansieht, hat man kaum eine Vorstellung davon, wie klein, armselig und hilflos sie zur Zeit ihrer Entstehung waren. Damals waren es niedrige Stuben oder kalte, rauchverhangene Scheunen. Es kam nicht selten vor, dass man die Zuhörer nur durch einen dichten Rauchschleier sah. Daran konnte auch die spärliche Beleuchtung durch Talglichter nichts ändern.

    Trotzdem waren die Versammlungen, die von begabten Gemeindemitgliedern und einmal im Monat auf den 15 Missionsstationen von Eduard Scheve geleitet wurden, gut besucht. Die Frauen versammelten sich alle 14 Tage, um für die Mission zu arbeiten, andere hatten in ihren Gärten ein Stückchen abgetrennt, um mit ihrem bescheidenen landwirtschaftlichen Ertrag den Aufbau der Gemeinden zu fördern.

    Vom 24.02. - 18.09.1859 nahm Eduard Scheve an einem Lehrkursus in Hamburg teil, nach dessen Abschluss er von Johann Gerhard Oncken offiziell zum Prediger berufen wurde. Nach seiner Rückkehr am 30.09.1859 nahm Eduard Scheve wieder seine Tätigkeit im hiesigen Missionsgebiet auf. 1861 verlegte er seinen Wohnsitz nach Elsfleth, das mehr im Zentrum der verschiedenen Missionsstationen lag. Durch körperliche Schwäche wurde er aber immer wieder zu langen Ruhepausen gezwungen. Am 28.06.1863 leitete er die letzte Versammlung in Elsfleth, um anschließend sein neues Arbeitsfeld in Herford in Westfalen zu übernehmen.

    J. B. Wilkens (1863 -1872)

    Sein Nachfolger wurde J. B. Wilkens (Dienstzeit 1863 -1872), der von Delmenhorst aus auch der Gemeinde Elsfleth diente. Soweit es die Zeit gestattete, wurden die Versammlungen so regelmäßig wie möglich gehalten; der Besuch war sehr abwechselnd, in den Sommermonaten sehr schwach. Das Jahr 1866 stand wieder, ähnlich wie 1848, im Zeichen bedeutungsvoller politischer Ereignisse, die die Menschen bewegten. Gemeindeleiter Johann Friedrich Oncken klagt in seinem Bericht für dieses Jahr über große Probleme, die Gemeinde weiter auf- und auszubauen. So waren Nichtmitglieder nicht zu bewegen, die Versammlungen zu besuchen, wenn sie auch bereit waren, ihre Kinder in die Sonntagsschulen zu schicken.

    Dietrich Janssen (1873 - 31.12.1883)1872 wechselte Wilkens nach Westerstede und Dietrich Janssen (Dienstzeit 1873 - 31.12.1883), früherer Inspektor der deutschen Baptistenmission, übernahm den Dienst. Johann Friedrich Oncken wurde zum Vorsitzenden der Gemeinde Delmenhorst gewählt und am 02.06.1873 in Stickgras durch Prediger Bues offiziell zum Prediger berufen. Im Jahre 1874 wurde am 21. Juni Hermann Ahrens, der spätere erste Prediger der Gemeinde Delmenhorst, getauft und in die Gemeinde aufgenommen.

    Durch Fortzug verlor die Gemeinde Elsfleth ständig an Mitgliedern und das Schwergewicht der Gemeinde verlagerte sich immer mehr in die aufstrebende Industriestadt Delmenhorst. Schon 1875 wurden verschiedene Gemeindemitglieder beauftragt, sich nach einem Versammlungsraum in Delmenhorst selbst umzusehen. Leider ist nicht mehr festzustellen, ob diese Bemühungen Erfolg hatten. 1883 bot Hermann Ahrens an, dass die Versammlungen in seinem Haus stattfinden.

    1883 bot Hermann Ahrens an, dass die Versammlungen in seinem Haus stattfinden.Am 31.12.1883 wechselte Dietrich Janssen nach Halle-Leipzig.

    Im ersten Vierteljahr 1884 bediente monatlich einmal Prediger Behr aus Bremerhaven die Station Delmenhorst.

    Am 10.02.1884 wählte die Gemeinde Delmenhorst Prediger Reeke aus Templin, den Prediger der Gemeinde Elsfleth, auch für Delmenhorst.

    Hermann Ahrens wurde am 01.11.1891 für Delmenhorst und Umgegend als Bibel-Kolporteur angestellt. Das war unter den damaligen Verhältnissen eine schwere, mühevolle und undankbare Arbeit. Das mag auch ein Auszug aus einer der damaligen Tageszeitungen zeigen, wo es u. a. heißt: "Und dass Baptisten, Methodisten und andere frommen und frömmelnden Sekten, von dem Volke unter dem Kollektiv "Quäker" zusammengefasst, stets zahlreiche und schnellfüßige Colporteure auf den Beinen haben, um für gutes Geld oder für nichts ihre poesielosen, wässerigen Traktätchen und Bücher an den Mann zu bringen, ist ja bekannt." Und an anderer Stelle heißt es: "Die Bücher der aufgeführten religiösen Parteien wirken demoralisierend und arbeiten daneben direkt auf den Umsturz aller unserer Errungenschaften oder auf die tollste Anarchie los."

    heute die Delme-ApothekeFanden bisher nur Nachmittagsgottesdienste statt, so beschloss die Gemeinde Delmenhorst am 03.04.1893, auch am Sonntagmorgen gottesdienstliche Versammlungen abzuhalten. Diese fanden jetzt in der Stedinger Straße in dem Hause, in dem sich heute die Delme-Apotheke befindet, statt.

    Besitzer des Hauses war der Wäscher Heinrich Wilhelm Moses. Auch Taufen wurden hier vorgenommen, nachdem Moses zwischen Wohnhaus und Wäscherei-Saal ein Taufbecken hatte bauen lassen.


    Neue Aufgaben

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    In Elsfleth aber ging die Blütezeit der Elsflether Segelschifffahrt und der Elsflether Reedereien in den 90er Jahren zu Ende. Auch die Werften, die sich nicht entschließen konnten, zum Eisenschiffbau überzugehen, mussten eine nach der anderen ihren Betrieb einstellen. So wohnten denn inzwischen am Gemeindeort Elsfleth keine Mitglieder mehr, in der Umgegend nur wenige. Delmenhorst war dagegen immer mehr Mittelpunkt geworden, die Mitgliederzahl war hier mittlerweile auf 46 gestiegen.

    Es wurde daher am 26.12.1896 beschlossen, den Namen "Baptistengemeinde Elsfleth" in "Baptistengemeinde Delmenhorst" zu ändern. Alle anderen Verhältnisse blieben unverändert, alle Missionsstationen der Gemeinde Elsfleth wurden Stationen der Gemeinde Delmenhorst.

    Zionskirche Fischstrasse 1898-1966Immer wieder aber tauchte der Wunsch nach einem eigenen Versammlungsraum für die Gottesdienste auf. Verschiedene Pläne wurden erwogen und entworfen bis im Jahre 1896 der Beschluss gefasst wurde, Gelder für den Bau einer Kapelle zu sammeln, indem zunächst ein Tag im Monat dafür gearbeitet wurde. Ab 1897 wurden dann vierteljährlich Sammlungen abgehalten. Noch im gleichen Jahre erwarb die Gemeinde für 1800 Mark das Grundstück an der Fischstraße in Delmenhorst. Schon am 11.04.1898 konnte die Gemeinde, die damals nur 46 Mitglieder hatte, ihr Gotteshaus einweihen. Das Gesuch an die Stadt um Befreiung von den auf das Grundstück entfallenden Pflasterungskosten wurde abgelehnt, aber wie mit dieser, so wurde man auch mit anderen Schwierigkeiten und Nöten fertig.

    Da die Gemeinde keine Körperschaftsrechte besaß, konnte sie auch nicht auf ihren Namen Eigentum erwerben. So kam es am 06.10.1898 zu einem Vertrag, in dem zum Ausdruck gebracht wurde, dass Grundstückseigentümerin eigentlich die Baptistengemeinde Delmenhorst sei, dass die Eintragung im Grundbuch aber formell, um der Gemeinde das Grundstück erhalten zu können, auf den Bauern Johann Hinrich Brinkmann zu Stickgras, den Wäscher Heinrich Wilhelm Moses in Delmenhorst und den Prediger Hermann Hinrich Ahrens in Delmenhorst erfolgt.

    Am 17.11.1901 musste Johann Friedrich Oncken wegen Altersschwäche seinen Dienst aufgeben und die Gemeinde erklärte ihn zum Ehren-Ältesten. Inzwischen war Hermann Ahrens zur Gemeinde Bitterfeld gewechselt und so schlug für Prediger und Gemeinde am 31.03.1902 die Abschiedsstunde.

    Schon 14 Tage später, am 13.04.1902, hieß die Gemeinde ihren neuen Prediger Harm Popkes (Dienstzeit 01.04.1902 - 30.09.1904) willkommen, der der Gemeinde bis zum 01.10.1904 diente. In der nun folgenden Zeit ohne Prediger übernahmen die Nachbargemeinden Oldenburg, Felde und Bremen am Sonntag Aushilfsdienste in Delmenhorst.

    1905 verstarb der Diakon und Kassierer Heinrich Wilhelm Moses, in dessen Hause vor dem Kapellenbau einige Zeit die Gottesdienste abgehalten wurden. Ein unliebsamer Zwischenfall bei seiner Beerdigung mag die evangelische landeskirchliche Kreissynode Delmenhorst nach einem vorausgegangenen Referat über das Thema "Wie ist es mit der Beerdigung von Sektierern zu halten?" zu folgendem Beschluss veranlasst haben: "Dass die Prediger der Sektierer bei Begräbnissen ihrer Gemeinschaft auf evangelischen Friedhöfen amtieren, hält die Kreissynode nicht für bedenklich, wohl aber, dasselbe zu untersagen. Sie empfiehlt daher den evangelischen Geistlichen, den Sektierern die Erlaubnis von Fall zu Fall zu gewähren."

    Am 18.04.1905 erfolgte die Eintragung der Gemeinde in das Vereinsregister beim Amtsgericht Delmenhorst unter dem Namen "Baptistengemeinde Delmenhorst". Die dazu erforderlichen rechtlichen Rahmenbedingungen wurden beraten und am 16.07.1905 von der Gemeinde genehmigt. Zum Vorstand wurden Prediger Otto Miske, Haussohn H. Brockmann aus Sannau und Drechslermeister August Beulecke gewählt.

    Otto Miske (01.07.1905 - 30.09.1911)Am 09.07.1905 konnte die Gemeinde Delmenhorst nach neun Monaten ohne Prediger endlich Otto Miske (Dienstzeit 01.07.1905 - 30.09.1911) begrüßen.

    Im September 1906 wurde die Gründung des Frauenvereins besprochen und am Buß- und Bettag 21.11.1906 in die Tat umgesetzt. Im Gemeindeprotokoll vom 25.11.1906 findet man dazu den kurzen Vermerk: "Der Frauenverein hat seine Tätigkeit aufgenommen."

    Inzwischen waren in der Gemeinde auch andere Arbeitsgruppen entstanden. Der Gemischte Chor wird bereits im Jahre 1873 erwähnt, 1879 besteht auch die Sonntagsschule mit regelmäßig stattfindenden Kindergottesdiensten. Am 21.02.1904 wurde die Jugendgruppe ins Leben gerufen, die sich zunächst an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat traf.

    Hermann Ahrens (26.03.1894 - 31.03.1902 und 01.11.1911 - 11.08.1915)Nachdem Otto Miske der Gemeinde über 6 Jahre mit großem Engagement gedient hatte, glaubte er, dass Gott seinen Weg in die Gemeinde Hamburg-Ottensen führen will und nahm diese Berufung zum 01.10.1911 an. Die Delmenhorster Gemeinde erinnerte sich ihres früheren Predigers und Lehrers, Hermann Ahrens (Dienstzeiten 26.03.1894 - 31.03.1902 und 01.11.1911 - 11.08.1915), und berief ihn erneut zu ihrem Prediger. Seine Einführung fand am 04.11.1911 statt. Lange konnte er sein Amt allerdings nicht mehr ausüben. Ein Herzleiden zwang ihn, immer wieder Erholungspausen einzulegen. Aber er erfüllte seinen Dienst auch mit den letzten Kräften, die Gott ihm gab. Seit dem 23.05.1915 mussten schließlich die Nachmittagsgottesdienste ausfallen. Dafür fanden Abendgottesdienste statt, die von Prediger Koch aus Bremen geleitet wurden.

    Am 11.08.1915 verstarb Otto Miske. Er wurde auf dem Friedhof an der Wildeshauser Straße beerdigt.

    Adolf Thiel (01.07.1916 - 30.09.1921)Den Gemeindedienst übernahmen Prediger Koch aus Bremen und Prediger Walter aus Oldenburg, letzterer seit dem 07.11.1915 auch die offizielle Leitung der Gemeinde. Im Juli 1916 kam Adolf Thiel (Dienstzeit 01.07.1916 - 30.09.1921) vom Predigerseminar und begann seinen Gemeindedienst in Delmenhorst. Inzwischen war der 1. Weltkrieg ausgebrochen und hatte viele Gemeindemitglieder und Freunde in seinen Strudel hineingezogen. Die Jugendstunden mussten bis zum 08.02.1919 ausfallen.

    Es kam die schwere Zeit der Geldentwertung, unter der auch Gemeinde und Prediger schwer zu leiden hatten. In Anbetracht der äußerst schwierigen Finanzlage, in der sich die Gemeinde befand, verließ Prediger Thiel am 01.10.1921 Delmenhorst. In der darauffolgenden Zeit halfen erneut die Prediger Wupper aus Oldenburg und Koch aus Bremen aus, in seiner vorlesungsfreien Zeit auch Gustav Kuschnereit, der zu dieser Zeit das Predigerseminar besuchte.

    Reichliche Spenden auswärtiger Gemeindemitglieder ermöglichten es im Jahre 1923, mit einem Kostenaufwand von 750 Mark die Gasbeleuchtung durch die elektrische Lichtanlage zu ersetzen.

    Am 03.08.1924 konnte die Gemeinde nach dreijähriger Zeit predigerlosen Zeit in Gustav Kuschnereit (Dienstzeit 01.08.1924 - 06.05.1928) ihren neuen Prediger begrüßen, der mit jugendlicher Kraft und Begeisterung seinen Dienst aufnahm. Im Herbst 1927 begann er mit einer Vortragsreihe gegen die Freidenker, die mit einer Massenversammlung und Auseinandersetzung mit dem "Volksbund für Geistesfreiheit" ihren Anfang nahm und zu keinem guten Ende führte. Kontroversen innerhalb der Gemeinde blieben nicht aus und äußere und innere Schwierigkeiten lähmten die Kraft. Am 06.05.1928 legte Prediger Kuschnereit sein Amt nieder. Dadurch hatte die Gemeinde über zwei Jahre keine geistliche Leitung mehr, aber Mut und Arbeitsfreudigkeit brachen sich bald wieder Bahn und von nah und fern wurde Hilfe angeboten.

    Am 10.08.1930 ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, in dem Prediger Adolf Weidemann (Dienstzeit 10.08.1930 - 02.04.1935) in sein Amt eingeführt und die Zeit ohne Prediger beendet werden konnte. Mit großer Beständigkeit leitete er die Gemeinde und Gott segnete seine Arbeit. Anfang 1931 konnte der Riss, der vor vier Jahren durch die Gemeinde gegangen war, geheilt werden.

    Am 12.12.1931 entstand ein Traktatverein und am 20.11.1932 erfolgte die Gründung des Männerchors.

    In der Gemeindesitzung vom 22.03.1931 wurde die Errichtung einer Bau- und Schuldentilgungskasse beschlossen, wobei ein Mindestbeitrag von 20 Pf. pro Monat für jedes verdienende Mitglied vorgesehen war. 1933 wurde eine Hypothek von 1000 Mark gelöscht und auf Schuldschein übernommen und noch im August des gleichen Jahres waren die Schulden der Gemeinde durch besondere Spenden einiger Mitglieder bis auf 500 Mark getilgt. Um das voll zu würdigen, muss man den besonderen wirtschaftlichen Tiefstand des Jahres 1932 berücksichtigen. Wie überall war auch die Gemeindekasse leer, so dass die Gemeinde den Besuch des Reisepredigers, für den üblicherweise die Reisekosten zu bezahlen waren, ablehnen und neben anderen Sparmaßnahmen sogar das Predigergehalt kürzen musste.

    Da die Gemeinde Nordenham ab 01.10.1934 keinen Prediger mehr hatte, stellte sie den Antrag auf Vereinigung mit der Gemeinde Delmenhorst. Der Zusammenschluss wurde von der Nordwestlichen Vereinigung empfohlen und so entsprach Delmenhorst dem Anschlussersuchen unter der Bedingung, dass Nordenham das halbe Predigergehalt aufbrachte, wogegen Delmenhorst für die Reisekosten aufkam. Im übrigen behielten beide Gemeinden ihre Selbständigkeit hinsichtlich ihres Finanzhaushaltes. Prediger Weidemann übernahm den vierzehntägigen Dienst am 30.09.1934 bis zu seinem Tode am 02.04.1935. Auch er wurde auf dem Friedhof an der Wildeshauser Straße beigesetzt. Kurz danach trennte sich Nordenham wieder von Delmenhorst.

    Friedrich Groß (01.02.1936 - 31.01.1946)Fast ein Jahr später, am 09.02.1936, trat Friedrich Groß (Dienstzeit 01.02.1936 - 31.01.1946) seinen Dienst in der Gemeinde Delmenhorst an und wurde mit großer Herzlichkeit begrüßt.

    Sein Dienst war überschattet von der innenpolitischen Entwicklung jener Jahre und den aufziehenden außenpolitischen Gewitterwolken, die zum Ausbruch des 2. Weltkriegs führten. Wieder mussten viele Gemeindemitglieder an die Front, auch die, die aktiv in der Gemeindearbeit standen. So musste Friedrich Groß auch die Leitung der Sonntagsschule und des Gemischten Chores übernehmen.

    Im Verlauf des Krieges wurden am 18.03.1945 zwar Dach und Fenster der Kapelle durch Bomben beschädigt, doch sie blieb insgesamt durch Gottes Güte wunderbar erhalten.

    Der Zusammenbruch des 3. Reiches führte viele Flüchtlinge aus dem Osten auch nach Delmenhorst. Die Gemeinde erhielt dadurch starken Zuwachs und wurde vor völlig neue Aufgaben gestellt.

    Adolf Ziemer (01.02.1946 - 30.11.1954)In Zusammenhang mit dem Flüchtlingsstrom kam auch Adolf Ziemer (Dienstzeit 01.02.1946 - 30.11.1954) nach Delmenhorst. Am 03.02.1946 wurde Prediger Ziemer in sein Amt eingeführt, übernahm die Leitung der Gemeinde und Friedrich Groß ging am 27.01.1946 in den wohlverdienten Ruhestand. In seiner humorvollen Art wollte er aber das "i. R." nicht als "in Ruhe" sondern als "in Reserve" gelten lassen. Und so hat er es denn auch gehalten, bis er verstarb.

    Am 10.06.1946 wurde die Arbeit in Hude aufgenommen. In Wildeshausen begann die Arbeit am 07.04.1947. Hier war die Leitung der evangelischen Kirche in Person von Pastor Toellner besonders entgegenkommend und stellte den Konfirmandensaal der Alexanderkirche zur Verfügung.

    Im März 1948 konnte in Delmenhorst eine neue Sonntagsschule auf dem Kasernengelände an der Wildeshauser Straße gegründet werden. Trägerin dieser Arbeit war die Gemeindejugend. Leider musste dieser Dienst im Januar 1951 wieder eingestellt werden, da sämtliche Gebäude von der Bundeswehr benötigt wurden.

    1957 erfolgten die ersten Einsätze in Dünsen-Kirchseelte, mit einer Zeltmission begann am 25.07.1962 die Arbeit in Ganderkesee. Die daraus entstandene Sonntagsschularbeit ist wieder eingegangen, weil sich keine Mitarbeiter für diese Aufgaben mehr fanden.

    Zionskirche Innenansicht nach Renovierung 1952Aber auch in Delmenhorst selbst wuchs die Gemeinde innerlich und äußerlich, so dass die Kapelle in der Fischstraße nicht immer die Zahl der Besucher fassen konnte. 1950 entstand deshalb ein kleiner Vorbau. 1952 schließlich wurde die Renovierung des Innenraumes beschlossen, die Ofenheizung aufgegeben und eine moderne Gasheizungsanlage eingebaut. Nach segensreicher Tätigkeit folgte Prediger Ziemer im Dezember 1954 einer Berufung der Gemeinde Hildesheim.


    Gemeinde zeigt Opferwillen

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    Helmut Dahl (01.07.1955 - 30.11.1961)Seit Jahren war die Predigerwohnung das Sorgenkind der Gemeinde gewesen, bis im Jahre 1955 das Nachbargrundstück neben der Kapelle preisgünstig erworben werden konnte. Als erster bezog der neue Gemeindeprediger Helmut Dahl (Dienstzeit 01.07.1955 - 30.11.1961), der am 03.07.1955 in sein Amt eingeführt wurde, die Predigerwohnung in diesem Haus.

    Die Mitglieder der Station Wildeshausen hatten inzwischen im Haus Freymuth/Siemer ihre "Hofkapelle" bezogen. Allerdings war auch das nur eine Zwischenlösung. Im Jahre 1958 wurde das Grundstück an der Heemstraße gekauft und die darauf stehende Tischlerwerkstatt zu einer modernen und gut eingerichteten Kapelle umgebaut, die 120 Personen fassen konnte. Mit großer Freude und Dankbarkeit konnte dieses neue Gotteshaus am 14.12.1958 eingeweiht werden.

    Wolfgang Burk 30.09.1962 - 31.07.1971)Prediger Dahl übernahm am 01.12.1961 eine neue Aufgabe in Lörrach. Sein Nachfolger wurde Wolfgang Burk (Dienstzeit 30.09.1962 - 31.07.1971), der seine Tätigkeit schon vor seiner Einführung am 30.09.1962 in unserem Gemeindegebiet aufnahm, indem er an der am 25.07.1962 begonnenen Zeltmission in Ganderkesee mitarbeitete.

    Die beengten Gottesdienst- und Gemeinschaftsräume in Delmenhorst entsprachen längst nicht mehr den Bedürfnissen der wachsenden Gemeinde.

    Schon 1949 wurde in einem Bericht erwähnt, dass das Gebäude an der Fischstraße zu klein wird. Ursprünglich war es der Plan der Gemeinde, auf dem alten Grundstück an der Fischstraße einen Erweiterungsbau zu schaffen. Die Stadt Delmenhorst legte jedoch ihr Veto ein, da sie meinte, eine Kirche lasse sich schlecht in einer Baulücke oder auf einem Hof errichten. Dieser Plan musste also aufgegeben werden. Das war am 17.10.1963. Man musste sich also auf die Suche nach einem Grundstück begeben, das es gestattete, das neue Gemeindezentrum großzügig und modern zu bauen.

    Erlöserkirche Aussenansicht ab 19661964 bot sich dann endlich ein 2600 qm großes Grundstück an der ehemaligen Veilchenstraße an, das dann auch gekauft wurde. Und als die Gemeinde zu Spenden aufgerufen wurde, zeigte sich wieder die bewährte Opferwilligkeit. Und auch hier war es wieder wie beim Bau der alten Kapelle an der Fischstraße im Jahre 1898: Nicht wohlhabende Gemeindemitglieder gaben von ihrem Überfluss, sondern die relativ geringe Zahl der Delmenhorster Gemeindeglieder spendete wieder wie in früheren Zeiten.

    Am 05.07.1965 erfolgte der erste Spatenstich für das neue Gemeindezentrum, am 12.01.1966 konnte der Richtkranz über dem ungewöhnlich hohen, spitzen Lamellendach der Kirche aufgezogen werden und am 27.11.1966 wurde die Erlöserkirche an ihrem jetzigen Standort eingeweiht.

    Nachdem Wolfgang Burk neun Jahre der hiesigen Gemeinde beständig und mit Engagement gedient hatte, verließ er am 25.07.1971 Delmenhorst, um einer Berufung nach Pforzheim zu folgen.

    mit Günter Petschat (01.09.1971 - ???, Bild: Taufe 18.09.1977)Nach nur einmonatiger predigerloser Zeit konnte die Delmenhorster Gemeinde am 05.09.1971 mit Günter Petschat (01.09.1971 - , Bild: Taufe 18.09.1977) seinen Nachfolger begrüßen. Mit ihm setzte die Gemeinde Delmenhorst ihre vor so langer Zeit begonnene Arbeit fort.

    Für die Station Wildeshausen wurde der dritte Adventssonntag 1976 zu einer großen Freude. Sie konnte einen Erweiterungsbau ihrer Kapelle an der Heemstraße, einen neueen Versammlungssaal und umgestaltete Gruppen- und Nebenräume einweihen.

    "Gemeinde - das ist keine Museumsfigur hinter Glas und Rahmen. Gemeinde ist gegenwärtiges Leben und dauernder Auftrag". Diese Sätze aus einer der Festansprachen zum 100-jährigen Jubiläum unserer Gemeinde sind eine wichtige Aussage dafür, dass das Christsein etwas sehr Zeitgemäßes, Gegenwartsnahes ist.


    120 Jahr-Feier im Februar 1974


     

    Pastor Günter Petschat  
    Pastor Edwin Strauß
    Günter Petschat
    01.09.1971 - 31.01.1982
     
    Edwin Strauß
    01.07.1982 - 31.08.1987
       

       

    Pastor Reinhard Schwarz  
    Pastor Christian Richter
    Reinhard Schwarz
    01.07.1997 - 30.06.2010
     
    Christian Richter
    ab 01.09.2010
    Pastor Gerhard Endraß
    Gerhard Endraß
    01.09.1988 - 30.04.1997
     
     

     


     

     


     

    Fortsetzung folgt ...

     

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